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Der schleichende Tod der digitalen Spiegelreflexkameras
Wenn man mit Menschen spricht, die vom digitalen Fotofieber gepackt sind, dann wird ein Argument für den Einsatz von Spiegelreflexkameras immer und immer wieder genannt: Wechselobjektive. In der Tat ist es so, dass derzeit nur Spiegelreflexkameras es erlauben, verschiedene Objektive zu verwenden. Zu Recht wird diesem Umstand ein grosses Gewicht beigemessen, hängen doch die Einsatzmöglichkeiten einer Kamera direkt von ihrer Optik ab. Damit kommt man jeweils sogleich zum Schluss, dass für wirklich anspruchsvolle Fotografie eine Spiegelreflexkamera nötig sei.

Hier bin ich anderer Meinung. Seit die ersten Digitalkameras (zu erschwinglichen Preisen) auf dem Markt sind, vertrete ich die Ansicht, dass das digitale Konzept sich mit der Spiegelreflextechnik nicht verschmelzen lässt. Das ganz einfach deshalb, weil wir keinen Spiegel mehr brauchen, um durch das Objektiv der Kamera zu blicken. Dafür haben wir ja den Chip, der sieht, was jenseits der Linsen geschieht. Das Bild, das der Chip registriert, können wir am Monitor oder im elektronischen Sucher sehen. Wofür braucht es da noch einen Spiegel? Der Spiegel birgt verschiedene Nachteile: Er sorgt zum Beispiel mit seiner räumlichen Ausdehnung dafür, dass das Objektiv verhältnismässig weit vom Medium entfernt ist, was eine qualitative Einbusse zur Folge hat. Der Hochklappmechanismus ist laut und kann eine Fehlerquelle bei der Bildauslösung sein, da zahlreiche Komponenten mechanisch bewegt werden müssen. Man könnte noch weitere Punkte anführen, die zeigen, warum das digitale Prinzip mit dem Verzicht auf Spielgelreflex nur gewinnen kann.

Ich wage hier und heute (23. Dezember 2005) also die Prognose, dass schon bald Kameras auf den Markt kommen werden, die zwar über Wechselobjektive verfügen, die aber keine Spiegel mehr enthalten. Die sogenannten "Bridge-" oder "Mega-Zoom"-Kameras sind meines Erachtens Wegbereiter, Akzeptanzsteigerer für diesen Schritt. Spiegelreflexkameras werden innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre zu exotischen Spielarten der digitalen Fotografie verkommen. (In der analogen Fotografie werden sie ihren Platz behaupten, dort haben Spiegel ja auch ihren Sinn.)

Das Kriterium, das die Einführung digitaler Wechselobjektiv-Kameras im Profisegment ermöglicht, liegt in der zeitlichen Verzögerung des Sucherbildes. Solange das vom Chip erfasste Bild noch nicht in Quasi-Echtzeit im elektronischen Sucher erscheint, so lange wird die Galgenfrist der digitalen Spiegelreflexkameras andauern. Es handelt sich dabei also lediglich um die Frage, wie schnell die Technik auf dem nötigen Stand sein wird. Dass sie es eines Tages sein wird, das steht ausser Debatte. Folglich ist auch der Tod der digitalen Spiegelreflexkameras nur eine Frage der Zeit.
Mario de Baseggio, 23. Dezember 2005
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