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Der Arbeitsunfall - Rendez-vous mit einer Stuhl-Lehne
Im Büro haben wir Plüschtiere, die wir einander an den Kopf werfen, wenn uns etwas nicht passt. Ray hat einen blauen Hund, namens «BlueDog», Alex ein Pokemon, das sich «Quaputzi» nennt, und ich werfe jeweils mit «Ektoplasma", einem violetten Pokemon. Man kann sich vorstellen, dass sich daraus meist eine kleinere Schlacht entwickelt, wenn wir loslegen. Ziel ist es dann, das Plüschtier, das man gerade greifbar hat, dem Gegner über eine mehr oder minder grosse Distanz mit Überschall ins Gesicht zu hämmern.

Heute war gerade wieder eines dieser fantastischen Gemetzel im Gange, als mein Telefon schellte. Also schmiss ich Quaputzi mit Weltrekord-Speed in die Richtung von Alex' Fratze und sprang zum Apparat, um mich dann mit einer möglichst normalen, gleichgültigen Stimme am Telefon zu melden. Alex war indes ebenfalls auf dem (leicht beschleunigten) Weg zu seinem Platz, da ein «Incoming Call» natürlich einen sofortigen Waffenstillstand nach sich zieht.

Bei seinem Sprung in Richtung Schreibtisch, sah Alex aus dem Augenwinkel mein kurz zuvor abgefeuertes Geschoss auf sich zukommen und reflexartig versuchte er, dem sich in einer unglaublichen Geschwindigkeit nähernden Quaputzi auszuweichen, indem er sich schnell nach vorne wegbückte, einem bei uns nicht allzu häufigen Manöver, das man im Boxen wohl «Esquive» nennen würde. Etwas ging aber gehörig schief: Er hatte aus dem Lauf heraus das Distanzgefühl verloren und donnerte seinen Kopf mit einer verblüffenden Entschlossenheit auf die Oberkante der Rückenlehne seines eigenen Bürostuhls.

Dieser Bürostuhl gab, zum Erstaunen aller Anwesenden - trotz hydraulischer Dämpfung - nur unwesentlich nach, so dass Alex die freiwerdende Aufprall-Energie im Wesentlichen mit Unterlippe und Schneidezähnen abfangen musste. Es scheint, dass er den Mund beim Aufschlag halb geöffnet hatte, nur so lassen sich der entstandene Bluterguss oberhalb des Kinns und die wackelnde obere vordere Zahnreihe erklären. Von den blanken Zähnen stammt wohl auch das knackig-trockene Geräusch, das der Zusammenprall erzeugte, wäre der Mund zur Gänze geschlossen gewesen, hätte es vermutlich dumpfer geklungen.

Es ist klar, dass es für mich in den Sekunden nach dem Knall nicht einfach war, die «möglichst normale, gleichgültige Stimme» am Telefon beizubehalten, umso mehr, als Alex, sich den Mund haltend, halb bewusstlos und dennoch laut lallend im Büro herumtorkelte. Ich habe daraufhin unter einem Vorwand das Gespräch abgebrochen. In den nächsten 20 Minuten konnten wir uns vor lauter Lachen nicht mehr halten, Alex ging es rasch besser. Nach anfänglichen Befürchtungen, das ganze Gebiss sei ihm bei der Aktion abhanden gekommen und liege nun verstreut unter seinem Bürostuhl, wurde sehr rasch klar, dass ausser einer etwas angeschwollenen Unterlippe keine weiteren Folgen zu gewärtigen waren. Seine grösste Sorge war dann noch, ob er heute Abend seine Freundin schmerzfrei küssen könne, ich riet ihm, erst mal abzuwarten, ob sie einen Kerl mit einer derartig dick hängenden Lefze überhaupt noch küssen wolle.
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