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Die Ohren der Hausmeisterin
Meine Grossmutter Alba erzählte uns immer wieder eine Geschichte, die sie als junge Frau im Wohnhaus an an der Via Canova erlebt hat.

In den städtischen Wohnblöcken war es damals üblich, dass die Hausmeister in einer Loge beim Eingang des Hauses sassen und so über alle Ereignisse der Nachbarschaft Bescheid wussten. Die Hausmeisterin der Via Canova 15 stand mit meiner Grossmutter auf Kriegsfuss, weil meine Grossmutter offenbar den Eindruck hatte, dass sich die "Portinaia" in Dinge einmischte, die sie schlechterdings nichts angingen.

Die Hausmeisterin hatte ein loses Mundwerk, dafür aber ein sehr schlechtes Gehör. So war es unter den Bewohnern üblich, sich im Treppenhaus über die Hausmeisterin zu unterhalten, ohne dass man das Risiko einging, von der Betroffenen gehört zu werden - sie war schliesslich fast gehörlos.

So begab es sich eines Tages, dass eine Nachbarin sich im Treppenhaus an meine Grossmutter wandte und sie fragte, wo denn die Hausmeisterin sei, man habe sie den ganzen Tag nicht in ihrer Loge gesehen. Da antwortete meine Grossmutter in der üblichen, abfälligen Weise: "Oh, die taube Alte, ich weiss nicht, wo sich die Schlampe herum treibt. Heute morgen habe ich jedenfalls gesehen, wie sie in die Stadt gegangen ist."

"Signora Alba", tönte es unerwartet von unten, "die taube Alte war heute Morgen beim Arzt, um ihr neues Hörgerät abzuholen. Und wissen Sie was, Signora Alba? Es scheint ausgezeichnet zu funktionieren!"
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